Von Thea König
Ich bin um meinen 19. Geburtstag gegen Covid das dritte Mal geimpft worden und wie bei so vielen anderen auch, hat das mein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Ich konnte nichts mehr. Hatte keine Kraft und wenn mein Körper am Limit war, ist er einfach umgefallen. Wie ich in diesem Zustand Abi geschrieben habe ist mir bis heute ein Rätsel.
Wenn Ärzte mich gesehen haben, haben sie nur das Mädchen aus der Jugendhilfe gesehen, dass sich selbstverletzt und halt irgendwie psychich gestört ist. Dass Traumata einen riesen Eifluss auf unser Imunsystem hat, hat jeder Ignoriert. „Schieb es auf die Psyche, dann ist es nicht mehr mein Problem.“, war der Leitsatz.
Ich habe in den letzten drei ein Halb Jahren mehr Ärzte gesehen, als ein Mensch in seinem Leben sehen sollte und jeder hat mir das Gefühl gegeben, dass ich das Problem bin, dass ich mich nur wichtig mache und wenn ich mich mehr anstrengen würde, alles gut wäre.
Jeder Arztbesuch war eine Tortur und mein Angstlevel war vor jedem Besuch so hoch, wie es nur sein konnte. Der Struggel zwischen Hoffnung endlich gehört zu werden und der Erfahrung mit den Ärzten zuvor war enorm. Irgendwann meinte ich mal, dass jeder Arztbesuch mich meinem nächsten Suizidversuch näher bringt und auch, wenn es nie dazu kam, hat es gestimmt. Ich konnte ja nicht aufhören zu Ärzten zu gehen. Ich war Abhängig von ihnen. Aber ich war eben nur eine von Vielen, die in der Masse unterging.
Heute. Heute war ich bei einer Neurologin, die in meinem Heimatort, als DIE Ärztin für Post Covid/ME/CFS gilt und sie hat mir geglaubt. Sie hat geholfen. Sie hat ohne darüber nachzudenken an Behandlung und nicht verneinung gedacht. Sie hat mir einen Rollstuhl verschrieben und nicht gesagt „klappt doch“.
Und ich kann nicht anders als Schmerz zu empfinden. Denn ich habe drei ein halb Jahre mit der selben Krankheit gekämpft habe bestimmt um die 50-80 Ärzte gesehen und keiner, absolut kein Arzt hat mich gesehen. Keiner hat mir zugehört und versucht mir zu helfen. Sie haben immer nur versucht, das Problem weg zu machen. Und wenn es nicht wegging, dann musste der Patient weg.
Ich kann mich grad noch nicht freuen. Ich fühle dissoziation, unglaube und die Frage wo der Harken liegt.
Glauben, werd ich es wohl erst, wenn ich den Rollstuhl vor mir stehen hab.
Ich bin 23 Jahre alt. (Mein Körper 22) und ich habe mein Leben lang nur ums überleben gekämpft. Seit 3 1/2 Jahren lebe ich mit Post-Vac Syndrom, das mir nicht diagnostiziert werden darf, da irgendein Mensch dachte, dass sich dissotiative Störung und CFS ausschließen würden. Obwohl es scheint, als würden sie sich eher begünstigen.
Und mal wieder falle ich durch ein System, dass Komplexität bestraft, dass alles klar und einfach haben will.
Aber wir sind Menschen, wir sind Komplex und ich hoffe, dass es bald mehr Menschen gibt, die Zuhören, bevor sie Menschen die Hilfe verwehren, die sie zum reinen überleben brauchen.

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