Von Thea König
Manche von euch werden vermutlich irgendwann im Leben von Benjamin Button gehört haben, machen auch nicht, das ist okay. Manche kenne den Namen, manche haben den Film gesehen, manche kennen die Krankheit und manche haben sich lange damit auseinander gesetzt.
Ich gehöre zu denen, die den Namen kennen, aber dennoch kurz im Internet gecheckt haben, ob ich ihn richtig zugeordnet habe. Denn so oft fühle ich mich, wie das Gegenteil von Benjamin Button.
Für die, die nicht wissen, was ich mit Benjamin Button meine, kurz zusammengefasst: Benjamin Button ist ein Junge, der mit einer seltenen Erkrankung auf die Welt gekommen ist, der ihn „umgekehrt“ altern lässt. Heißt er ist auf die Welt gekommen und sah aus wie 80 und ist optisch und Gesundheitlich immer jünger, statt älter geworden.
Was ich meine, wenn ich sage, dass ich mich oft, wie das Gegenteil von Benjamin Button fühle, ist, dass ich vom Inneren rede. Ich fühle mich, als würde ich das Wissen einer Frau tragen, die so viel älter ist, die so viel mehr erlebt hat, als ihr Äußeres preisgibt. Als wäre ich über 60 statt anfang 20. Ich denke über Dinge nach, über die 50 Jährige in ihrem Leben noch nicht nachgedacht haben. Und das perfide daran ist, dass ich mich hinter alten Charakteren in meinen Büchern verstecke, um meine Weisheiten und Erkenntnisse weiter zu geben, denn was hat eine 23 Jährige einem schon an Lebensweisheiten mitzuteilen?
Manchmal fühle ich mich, als hätte ich schon 100 Leben gelebt und alles am eigenen Leib erfahren. Vieles daran liegt natürlich an der DIS, vieles HABE ich, oder zumindest jemand innerhalb dieses Körpers und somit der Körper in dem ich lebe, erlebt. Und das sind Gefühle, die ich nicht greifen kann, aber die dennoch zu mir und meinem Leben gehören. Und der Rest kommt vermutlich von meiner unfassbaren sensibilität. Das ich das was andere Erleben, in mich aufsauge. Ihren Schmerz zu dem meinem mache und dann weiterlebe. Und das geschieht nicht nur bei realen Menschen, sondern auch fiktiven oder Menschen aus dem Internet. Ein großer Teil meines Wissens ist angelesen, denn was hätte ich schon sonst in meinem Leben tun sollen außer zu lesen und zuzuhören und zu überleben?
Ich fühle mich wie eine alte Frau im Körper einer jungen. Manchmal sogar eines Teenagers, denn sein wir ehrlich, die wenigsten schätzen unseren Körper auf Anfang 20.
Ich habe zu viel erlebt, ich habe über zu viele Dinge nachgedacht, über die sich kein Kind, kein Teenager solch große Gedanken machen sollte. Und ich scherze nicht, wenn ich sage, dass ich nie ein Kind war. Natürlich haben wir uns verhalten wie eins, das musste sein und sicher, hatten wir auch Züge eines Kindes. Aber wir hatten nie NUR die Probleme eines Kindes. Wir hatten nie die Geborgenheit und Freiheit die Kinder haben sollten. Und ich rege mich über die Menschen auf, die sagen, dass es ein Privileg ist, wenn ein Kind eine KINDHEIT hatte, Eine gute, sichere Kindheit. Denn nur weil jemandem ein Recht weggenommen wurde, sollte etwas nicht zum Privileg werden. Wir suggerien so oft, dass es NORMAL ist in der Kindheit G**alt zu erfahren, M****raucht. oder Be**tzt zu werden und dass die Kinder, die „Glück“ hatten dafür dankbar sein müssen.
NEIN. Ganz klar nein! Ich bin froh für jedes Kind, dass sein Recht bekommen hat und deren Kindheit nicht geopfert wurde. Denn ja, es geschieht zu oft. Aber durch dieses Denken wird das falsche suggeriert. Das es Normal ist in der Schei*e zu liegen und die, die es nicht tun sich dafür schlecht fühlen müssen, da sie etwas haben, wofür sie nichts können. Etwas, das anderen weggenommen wurde. Es sollte anders sein. Wir sollten sagen, dass so die Norm sein sollte und dass wir etwas verbessern müssen, damit wieder mehr Kinder bekommen, was sie verdienen.
Puh das musste mal raus und dennoch ist immernoch diese Spannung in meinem Körper. Diese Wut und Frustration.


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