Von Thea König

Wie oft lese ich: „Ich will xyz Vergessen.“ Oder etwas in die Richtung und ich kann es in Teilen nachvollziehen.

Und bedenkt für das Thema, dass ich ein Mensch bin der Teile seines Lebens und auch Menschen vergessen hat! Ich kenne mich also damit aus wie es ist wichtiges und auch wichtige Menschen vergessen zu haben.

Ich habe fast gleichzeitig eine meiner besten Freundinnen und den Mann den ich liebe (auch, wenn mir das zu dem Zeitpunkt nicht so recht klar war) an komplizierte Umstände verloren. Also Zwei meiner drei Wichtigsten Menschen auf der Welt. (Therapeuten und Betreuer nicht mitgezählt.)

Aber ich habe mir nie ernsthaft gewünscht die beiden zu vergessen. Egal wie sehr mir der Gedanke an einen der Beiden auch weh getan hat. Jeder einzelne der Beiden hat dazu eigetragen, dass ich heute die Frau bin, die ich bin.

Aber das ist gar nicht was mich so sehr an dem Satz stört. Es ist der Irrglaube, dass alles besser wäre, wenn man sich nicht erinnern würde. Das Denken, dass es besser ist zu vergessen. Und in seltenen Fällen stimmt das vielleicht. Zum Beispiel habe ich irgendwann gesagt, dass ich damit zurecht komme nur umrisse an die Traumata zu kennen. Ich muss nicht jedes Detail aller Grausamkeiten wissen, die uns angetan wurden. ABER. Ich muss dennoch wissen was uns angetan wurde und ich bin immernoch unruhig, da immer noch Puzzleteile fehlen und da Lücken sind. Denn mit der Wahrheit kann man lernen umzugehen. Die Wahrheit kann man beginnen zu integrieren. Man kann irgendwann und irgendwie seinen Frieden damit schließen. Und mit Frieden schließen meine ich nicht alles schön zu reden, das ist verdrängen. Ich meine zu sagen UND zu fühlen. Das ist Teil meiner Geschichte, der Teil ist vorbei. Er war grausam, aber es ist nicht mehr mein Leben und es verfolgt mich nicht mehr.

Wenn ich jemanden vergesse. Und ich meine VERGESSE. So wie es scheinbar von vielen gewünscht ist, dann würdest du jede einzelne Erinnerung am diese Person verlieren. Du würdest sie nicht erkennen, wenn sie dir auf der Straße entgegen kommen würde. Diese Person wäre fremd für dich. Du könntest dich an keine Gespräche erinnern, an Umarmungen, an Spitznamen, an Dingen die euch verbunden haben. Du würdest alle Errungenschaften, die du mit deren Hilfe erreicht hast vergessen. Sei es endlich ein neues Handy zu kaufen, da du dich nicht traust Geld auszugeben oder das erste Mal zu lieben oder das Gefühl zu haben verstanden zu werden. All das wäre weg. Sowohl die Erinnerung, als auch dein Fortschritt.

Und jetzt nochmal auf das eigentliche Problem der Aussage zurück. Nur weil dein Kopf vergisst, ist dein Problem nicht weg. Dein Körper trauert genauso wie deine Seele. Und dein Körper vergisst nicht. Also selbst, wenn du die Person vergisst, wird dich etwas verfolgen. Denn dein Körper wird trauern. Du wüsstest nur nicht warum. Du könntest die Trauer und den Schmerz in der Brust nicht erklären. Du würdest anfangen zu weinen wenn du Klee siehst aber keine Ahnung haben warum. Keine Ahnung haben, warum dich der Anblick traurig macht. Und du würdest vermutlich nichteinmal darauf kommen, dass es dich an etwas erinnert. Du wärst auf der konstanten Suche danach Lücken zu füllen, die du vielleicht nicht einmal siehst.

Also spars dir. Ich versichere dir, als jemand der vergessen hat: Es lohnt sich nicht. (Nicht, dass du es dir wirklich aussuchen kannst, ob und wenn ja was du vergisst.)

Nutze deine Energie, um dich um dich selbst, deinen Körper und deine inneren Wunden zu kümmern. Denn die Person gekannt zu haben war nicht nutzlos. (T**er:innen ausgeschlossen).

Ganz viel Liebe und Kraft,

Thea


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar