Von Thea König
Ein Leben ohne Diabetes ist etwas, das ich gar nicht kenne, dennoch habe ich Fragmentierte Erinnerungen, die ich als Alltagspersönlichkeit haben musste um nicht aufzufallen. Im folgenden wird es vermutlich etwas chaotisch mit ich/wir etc. In dem Fall ist mit „Ich“ fast immer „Mia“ gemeint. Da ich, Thea zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existiert habe, aber die Erinnerungen kenne.
Wir waren 6 Jahre alt. Ich weiß noch, dass es die Weihnachtsferien waren. Meine „Mutter“ hat Jahrelang in der Pflege gearbeitet, weshalb ihr meine Symptome recht schnell aufgefallen sind. (Ich kenne nur die Erzähl Version.)
Ich hatte immer Durst. Wirklich immer. Ich konnte nicht schlafen, da ich durst hatte. Ich habe immer mehr abgenommen und ich war eh schon sehr klein und dünn für mein Alter. Ich erinnere mich daran, dass ich nachts, wenn ich schon schlafen sollte aufstand, und zu meiner „Mutter“ im Wohnzimmer bin, da ich so großen Durst hatte und nach Saft gefragte habe. Sie hat mir Wasser gegeben, da ich keinen Saft mehr haben sollte. Aus jetziger Sicht sinnvoll, aber in dem Moment nicht cool. Ich frage mich generell, warum ich um Trinken bitten musste. Vllt war ich nicht groß genug um an den Wasserhahn zu kommen? Ich weiß es nicht.
Ich weiß noch, dass wir irgendwo mit dem Zug hingefahren sind. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon den typischen „immer Durst“ und ich erinnere mich an Zuckerwatte und daran, dass wir in einem Hotel/Hostle/what ever waren und es mir super unangenehm war, da ich in der Nacht ins Bett gemacht hatte. Was übrigens ziemlich häufig bei uneingestellten oder schlecht eingestellten Diabetikern ist, da man diesen starken durst und Harndrang hat und es nicht immer zu kontrolieren ist.
Ich erinnere mich daran, dass wir in den Ferien mit einer anderen Familie in einem Museum waren und dass meine Mutter sich (nach ihrer Erzählung) mit dem Vater, der selbst Typ 1 Diabetiker ist, ausgetauscht hatte, da sie ihre Vermutungen hatte.
Ich glaube, dass es nicht viel Später gewesen sein kann, dass wir diese besondere Torte gebacken hatten und meine „Mutter“ meinte, dass bevor wir diese essen können, alle etwas machen müssen. Wir sind in den Keller und sie hat das alte Blutzucker Gerät meiner Großmutter geholt und wir saßen alle auf dem Boden und jedem wurde der Blutzucker gemessen. Meiner war in den 400/500 mg/dl wenn ich mich richtig erinnere. In meiner erinnerung, habe ich das Tortenstück nicht bekommen, also anderes als versprochen, aber medizinisch Sinnvoll, laut meiner „Mutter“ habe ich das Stück bekommen. Keine Ahnung was stimmt.
Wir sind zum Kinderarzt, der auch meinen Blutzucker gemessen hat, zu dem Zeitpunkt war er nicht mehr Messbar (also über 500mg/dl). Bitte denkt daran, das das 15 Jahre her ist.
Der Kinderarzt hat uns ins Kinderkrankenhaus geschickt wo wir in den Nachtdienst gekommen sind. Der Arzt war super lieb und wir haben rumgealbert. ich wurde Stationär aufgenommen und wurde auf das Insulin eingestellt. Das was meinen Aufenthalt erschwärt hat, war dass ich mit einem Mädchen in Kontakt kam, welches kurz darauf den Norovirus aufwies und diesen noch an mich weiter gegeben hat. Es war die ruhigste aber auch langweiligste Woche, da ich in Quarantäne war und nach Corona weiß fast jeder wie isolierend das ist.
11 Monate Später bin ich nocheinmal in das gleiche Krankenhaus stationär, da ich eine Insulin-Pumpe erhalten sollte. Ich kann stolz sagen, dass ich die erste Person mit einer Pumpe in diesem Krankenhaus war. Doch wie immer ist die erste sein auch ein Problem, da sich auch die, die Ahnung haben sollen, kein Plan haben. Aber es scheint gut ausgegangen zu sein.
Und nun sitze ich 15 jahre später in meinem Bett und lebe nur noch, da eine Frau vor über 100 Jahren das Zaubermittel Insulin entdeckt hat und genug Menschen den Mut hatten es auszuprobieren.
Diabetes ist nicht schön. Manchmal nervtötend und in den falschen Kreisen ein ausschlusskreterium, doch es ist zumindest für mich, leicht damit zu leben. Es läuf automatisch, macht sich manchmal kurz bemerkbar, aber dann ist auch wieder ruhe. und durch den technischen Fortschritt wird es alle vier Jahre (Wenn die Garantie ablauft und man wieder anspruch auf etwas neues hat.) etwas leichter zu managen.


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